Naturschutzprojekt Ranquas

Hinweis: Unter www.naturschatz.org finden Sie eine ausführliche Darstellung zum Naturschutzprojekt Ranquas

Angezogen durch den Artenreichtum der noch weitgehend intakten Natur, versuchen wir seit 1981 mit engagierten französischen Umweltschützern im Rahmen einer Steinadlergruppe Biotop- und Flächenschutz in den hiesigen Lebensräumen und Jagdgebieten dieser Greife zu betreiben. Konkret beinhaltet diese Arbeit Gründung von Naturschutzgebieten und ihre Pflege durch angepasste Land- und Waldbaumethoden und sie geht bis hin zur Unterstützung von Wanderschafsherden.

Doch in einer Hochburg der Jäger und ihrer Interessensverbände, ist sie von vielen Rückschlägen begleitet. Die Erfolge unseres engagierten Projektes, den Mut zum Weitermachen verdanken wir zum sehr großen Teil den Unterstützern aus dem europäischen Ausland, mit deren finanzieller oder arbeitsmäßiger Hilfe viel realisiert werden konnte, was dazu beiträgt, die Lebensräume der Garrigue, des Eichen-Elsbeerenwaldes des Ranquas und die extensiv bewirtschafteten Kulturlandschaften zu erhalten. Die intensiven Landnutzungstechniken, Objekt europäischer Förderung, drängen diese Landschaften mehr und mehr in den Hintergrund und entziehen Tier- und Pflanzenwelt ihre Lebensgrundlage.

Der Steinadler dient uns als Symboltier: zusammen mit dem hier ausgestorbenen Wolf und Luchs steht er an der Spitze der Nahrungspyramide; in unserem Gebiet weist er eine kleine, aber heute beachtliche Population, die von 12 Paaren 1985 auf heute 40 Paare aufgrund der Schutzmaßnahmen angewachsen ist,  Anzeichen eines noch intakten Lebensraumes, den es zu erhalten gilt. Der Steinadler, gern benutzt als Symbol der Stärke und Macht wird so auch zum Indikator der Zerbrechlichkeit der Natur. Seinen menschlichen Benutzern müssen wir den Wert dieses Gebietes vermitteln, um ihn erhalten zu können.

Aufgeteilt wird der um das Sérannegebirge liegende Aktionsbereich des Naturschutzprojektes in die Steinadlerjagdgebiete, die sich auf 100 Quadratkilometer belaufen. Auf den über 500 Meter hoch gelegenen Kalkstein-Plateaus, den "Causses" wird noch Schafszucht im nennenswerten Umfang betrieben. Diese Causses werden von steilen Flussschluchten zerschnitten. Während die Südlage und die flachen Gebiete der Ebene zum Mittelmeer hin klimatisch stark mediterran orientiert sind, (heiße Sommer, milde Winter), sind die Causses und Cevennen montan, Hitze/Trockenheit im Sommer, Schnee und große Kälte im Winter. Daraus folgen im Sommer Wassermangel und Brandgefahr; im Winterhalbjahr Überschwemmungen, Frost und Nassschnee - was den Pflegeaufwand ungemein erhöht.
 

Schutzgebiet Ranquas

Das Naturschutzgebiet Rieutord fiel 1996 politischen Interessenspielen zum Opfer. So bleibt das "Ranquas" im Sérannegebirge, was mit internationaler Hilfe vieler solidarischer Einzelpersonen, Gruppen und Paten zum Modellprojekt ausgebaut werden konnte. Das 194 Hektar große Schutzgebiet, dessen Jagdschutzgebiet mit totalem Jagdverbot (eine absolute Rarität hier!) durch einen weiteren Grundbesitzer 230 Hektar umfasst, wurde 1993 gekauft, nachdem es 5 Jahre unter Pacht unterhalten war.

Das Ranquas weist eine große Zahl verschiedener Vegetationstypen auf, die im Wechsel zwischen oft extremen Klima- und Bodenbedingungen und menschlichen Aktivitäten entstanden sind. Der heutige Zustand ist ein Mosaik aus weit vorangeschrittenen Regenerationsstadien (Wälder), noch gut erhaltenen Weideflächen (niedere Garriguen, Rasen mit steppenartigem Charakter) und weitgehend unbeeinflussten Flächen mit hoher Garrigue in der Umgebung.

Die etwa 360 Arten verschiedener Farn- und Blütenpflanzen, die im Untersuchungsgebiet vorkommen, weisen auf diese große Vielfalt hin. Das Ranquas ist Lebensraum von charakteristischen Arten der trockenen Hochplateaus und der Garrigue, sowie auch der Wälder. Die wildromantischen Gorges de la Vis, haben wiederum ihre eigene Flora - mit zum Teil seltenen und stark spezialisierten Arten. Die geobotanischen Verhältnisse sind wissenschaftlich sehr interessant. Nicht zuletzt aufgrund der geographischen Verhältnisse kommen hier verschiedenen Geoelemente zusammen: Am Ranquas sind mediterrane, submediterrane und deutlich montane Arten nebeneinander zu finden.

Die pflanzengeographische Grenzlage zeigt sich auch daran, dass einige Arten hier eine regionale Verbreitungsgrenze erreichen. So kommt z.B. die Acanthusblättrige Silberdistel, eine typische Pflanze der Causses du Larzac, bis in die submediterranen Plateaubereiche des Ranquas vor. Eine seltene Art ist der Gelbe Lauch; einige Orchideenarten haben im Gebiet bedeutende Populationen (Pyramidenorchis, Wanzen-Knabenkraut). Durch Regenerationsvorgänge (natürliche Sukzession) ist ein Zustand erreicht, in dem die Vegetation das Gelände bereits wirksam vor Erosion schützt. Dieser Zustand sollte durch eine sorgfältig geplante Nutzung erhalten bleiben.
(ökologische Bewertung aus der botanischen Kartierung von Thomas Borsch, 1989)

Zahlreiche Biotopkartierungen laufen bzw. liefen für einen Antrag auf Ausweisung als Naturschutzgebiet. So wurden im besonderen Flora, Vögel, Säuger, Heuschrecken, Schmetterlinge, Amphibien und Reptilien kartiert; also in ihrem Vorkommen und Verteilung im Gebiet festgehalten.

 

Pflege und Entwicklung des Schutzgebietes

Die Zielsetzung, sowohl das Steinadlerpaar zu erhalten, wie auch den Flaumeichen-Elsbeerenwald (Quercetum pubescenti-petraeae) wiederherzustellen, erfordert einen Pflegeplan mit einer "relativ" langen Laufzeit, braucht doch der Wald etwa 400 Jahre, um sich wiederherzustellen, von denen wir erst knapp 60 Jahre hinter uns haben! Um erneuter Abholzung und dem Vorverkaufsrecht der Landwirtschaftskammer zu entgehen, muss das Problem des Eigentums von einzelnen "natürlichen" Personen bewältigt werden. Deswegen gründen wir gerade eine "Société civile-groupement foncier rural", die das Eigentum des Schutzgebietes Ranquas übernimmt und langfristig den Schutz garantieren soll. Die eigentliche Arbeit wird von einem Verein organisiert, der "Association Gestion-Réserve". Mit der Fertigstellung der Naturschutzakte mit Pflegeplan könnte das Gebiet in einen privaten Naturschutzfond übergeben werden.

Freiwillige aus ganz Europa machten das Ranquas zum Treffpunkt vieler engagierter Menschen. Sie halfen mit, Teiche anzulegen, den naturnahen Waldbau beim Wiederaufbau des übernutzten Flaumeichen-Elsbeerenwaldes voranzutreiben und bauten die Infrastruktur für eine extensive Pflegeschafherde mit auf.

Im Ranquas existiert ein Restbestand des Schlitzblättrigen Rittersporns (Delphinium fissum). Es ist einer der letzten Standort dieses Art westlich der Rhône. Um die Ausbreitung der Art sicherzustellen wurden die Bestände zum Schutz vor wühlenden Wildschweinen teilweise eingezäunt.

Das Steinadlerpaar ist u.a. mit einem Kunsthorst ausgestattet worden und dankt durch die beste Reproduktion der von uns beobachteten Paare. Der Rückbau einer für Habichtsadler, Steinadler und Uhu tödlich gefährlichen Stromleitung durch den Energieversorger wurde 1989 erreicht. 1997 brütete zum ersten Mal neben Steinadler und Wiedehopf der extrem seltene Rötelfalke im Gelände. In dem 100 Quadratkilometer großen Jagdgebiet des Ranquasadlers werden mittlerweile auch "Trittsteinbiotope" finanziert.

Rückschläge, wie 1996 der Tod von 14 adulten Schafen durch wildernde Hunde oder ins Gebiet einbrechende Kühe, die durch fehlgeleitete Landwirtschaftspolitik zahlreich eingeführt sind und enormen Schaden anrichten, müssen verkraftet werden. Die Förderung des naturnahen Waldes, einst fast völlig abgeholzt und in seinem natürlichen Artengefüge entmischt, erfordert viel Einsatz. PraktikantInnen und anderen hilfreichen Menschen, die hier ihren Urlaub investieren viel Kraft und Energie. Entschädigt werden sie nur durch die Freude an der Erhaltung und Verbreitung des Artenreichtums und - natürlich - durch die grandiose Landschaft.

Da öffentliche Mittel oftmals von Verwaltungen und Jägerlobby blockiert werden, finanziert sich das Projekt fast ausschliesslich über Patenschaften, von denen wir noch ganz viele benötigen!! Neben der fünfjährigen Pflegeschaf-Patenschaft können Sie auch als Elsbeeren-Paten oder bei der Förderung des Steinadlers dabei sein! Machen Sie mit und werden Sie "Projektpartner Séranne"! Das Biotop dankt es sichtbar.

Falls Sie Fragen haben oder das Projekt fördern möchten, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf:

Horizons Séranne
c/o Christian Petty
F-34380 St. Jean de Buèges

Tel: 0033-467731119  •  Handy: 0033-608527667
E-Mail: ranquas@seranne.org

Wir organisieren Führungen im Schutzgebiet, Spender erhalten den Tätigkeitsbericht, der einmal pro Jahr erscheint. Da wir keine festen Bürotätigkeit haben (wegen der Kosten) und oft viele Tage im Gelände sind, bitten wir um etwas Geduld bis zur Antwort!!

Neuigkeiten aus unserem Schutzgebiet Ranquas:

Nach 10-jähriger Wartezeit besuchte die Natura 2000 Kommission das Ranquas. Zu ihrem Erstaunen haben wir alle Zielergebnisse bereits vorweisen können, werden aber nicht gefördert, weil in Frankreich nur "konventionelle Forst- und Landwirtschaft" unterstützt werden. Im Klartext: die Gelder werden umfunktioniert in Subventionen für produktivistische Land- oder Forstwirtschaft, mit Anpflanzungen von Kiefernmonokulturen wären wir dabei!

"Queen", die Adlerin, die auf dem Gebiet brütet, war im Frühjahr 2014 mit einem GPS ausgestattet worden, die ständige Überwachung ließ sie ein gutes halbes Jahr über sich ergehen, dann hat sie - sicherlich mit Hilfe der fantastischen Wolkenbildung, die uns das erwärmte Mittelmeer beschert - die Verbindung zum Satelliten gekappt und sich so zumindestens der permanenten Kontrolle entzogen. Die Informationen waren und sind dennoch aufschlussreich und recht überraschend, aktuell werden sie aus ihrem "Rucksack" mittels Antenne abgezogen. Darüber und mehr erzählen wir dann hier an Ort und Stelle!

Nach monatelanger Immobilisierung durch seinen Unfall wird Christian demnächst die Führungen im Gelände wieder aufnehmen, wo er gerrn im Detail über die Ergebnisse berichtet. 

Website vom Naturschutzprojekt Ranquas:
www.naturschatz.org

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Kontakt:  Horizons Séranne - L' Aire de la Séranne | F-34380 Saint Jean de Buèges | Tel. ++33 467 731 119 | www.seranne.org